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Sind Sie ein sensibler Chef?

Es ist noch gar nicht mal so lange her, da hätte man sich mit einer solchen Frage in den Augen vieler „gestandener“ Führungskräfte aber so was von disqualifiziert, die hätten das im besten Fall als nicht sehr gelungenen Versuch, einen Witz zu machen, aufgefasst. Die Zeiten ändern sich. „Ein Fall für sensible Chefs“ titelte vor ein paar Wochen die SZ in ihrem Wirtschaftsteil - und sie meinte das ganz ernst. Laut einer AOK-Studie, durchgeführt vom Wissenschaftlichen Institut der AOK, bei der zweitausend Beschäftigte zum „Fehlzeiten-Report 2017“ befragt wurden, häufen sich sowohl die Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme, als auch mit zunehmenden Alter die Lebenskrisen bei den Beschäftigten. Das ist nicht nur schwierig und bedauerlich für die von Lebenskrisen Betroffenen selbst. Das hat auch Folgen für die Arbeitgeber: Gut die Hälfte der Betroffenen gibt an, sich nicht mehr voll leistungsfähig zu fühlen und jeder Dritte meldet sich häufiger krank.

Zum Glück betrachten viele Firmen die Befindlichkeit ihrer Mitarbeiter heute nicht mehr nur als Privatsache, sondern bemühen sich um Hilfestellung - zumindest ist das die Absicht. Maßgeblich sind dabei die Führungskräfte. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands sagt dazu: „Führungskräfte müssen Empathie mitbringen und sensibel genug sein, Lebenskrisen von Mitarbeitern nicht einfach zu ignorieren.“ Soziale Kompetenz trägt wesentlich dazu bei, dass Mitarbeiter sich helfen lassen - und das dient dann eben allen, den Mitarbeitern, den Chefs und den Firmen.

Soziale Kompetenz ist kein angeborenes Merkmal - es ist keineswegs so, dass man die entweder hat oder nicht. Soziale Kompetenz lässt sich lernen. In meinen Augen ist es auch wichtig, soziale Kompetenz zu trainieren, denn man kann noch so viel Empathie besitzen und noch so sensibel sein - wenn man nicht über die richtigen Kommunikationsmittel verfügt, um das dem Gesprächspartner gegenüber auch zu vermitteln, hat der wenig davon.

Deswegen ist es uns in der Fortbildung „Agile Führung mit CoachingTools“ auch ein großes Anliegen, mit den Teilnehmern gründlich auf das Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse einzugehen. Professionalisierung von Kommunikation bedeutet ja nicht, dass man nun „technischer“ an Kommunikation herangeht, sondern es bedeutet, dass man den anderen besser versteht und dass man sich selbst besser verständlich machen kann. Sensibel zu werden für die Feinheiten von Kommunikation unterstützt einen auch darin, insgesamt sensibler zu werden für Menschen. Man hört dann eben, ob ein Mitarbeiter plötzlich niedergeschlagen klingt. Oder ob er unwirsch und gestresst reagiert, obwohl man ihn immer als recht gelassen wahrgenommen hat. Und im Seminar trainiert zu haben, wie man das am besten anspricht, hilft über die Hürde hinweg, die man vielleicht hat, weil man dem Mitarbeiter ja auch nicht „zu nahe treten will“.

Um mehr über die Hintergründe von Kommunikation zu erfahren, lohnt es auch, sich gründlich mit dem Persönlichkeitsmodell der Transaktionsanalyse zu beschäftigen, denn sie bietet  eine Reihe interessanter, sehr schnell einleuchtender theoretischer Ansätze, die Verhalten und Kommunikation begreifbar machen und die sich leicht in die Praxis umsetzen lassen. Das steigert sofort die Gesprächsqualität - und zwar immer, nicht nur, wenn der Mitarbeiter eine Krise erlebt. 
Wie gesagt: Die Anforderungen an gute Führungskräfte wandeln sich. „Psycho-Logik“ für den Berufsalltag gehört inzwischen anerkanntermaßen dazu.

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