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Wort- und andere Erfindungen, auf die die Welt nicht gewartet hat

Manchmal weiß man gar nicht, wo man anfangen soll! Das kennen Sie auch, oder? Womit man aufhören soll, ist oft viel klarer. Was natürlich nicht heißt, dass man es dann auch mit der gebotenen Konsequenz tut, aber das ist ein anderes Kapitel. Ob man allerdings immer in der Zeitung lesen will, dass man mit irgendetwas aufhören soll oder will, das ist ebenfalls ein anderes und möglicherweise heikles, ja pikantes Kapitel.  Klar, die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information. Aber… Bedenken Sie doch mal, wie ginge es Hans-Dieter damit, wenn er in der Zeitung lesen müsste „Hans-Dieter will Affäre mit Paula beenden“? Ganz davon abgesehen, wie es Paula damit ginge, die vielleicht erst auf diesem Weg erfährt, dass die zarten Bande zu Hans-Dieter von demselben jäh und herzlos zerschnitten wurden. Aber die Zeitung, die bekanntlich vor den Mächtigen dieser Welt, ja selbst vor den Allermächtigsten, nämlich den Konzernen, keinerlei Respekt mehr kennt, hat es öffentlich gemacht: „Airbus will Affäre mit Bußgeld beenden“. So titelte die wie immer bestens informierte „Süddeutsche Zeitung“ am 15. Januar und ich war schon baff. Ich hatte ja keine Ahnung… Aber in der Wirtschaft weiß man ja nie so genau, wer mit wem ins Bett geht. Bußgeld gilt mein ganzes Mitgefühl!  Aber andererseits, ein Konzern sollte sich eben gar keine Affären erlauben, die haben immer so ein bisschen was Anrüchiges, sowas Dieseliges im Abgang.

Ich hoffe, sie goutieren meine Wortschöpfung „dieselig“. Ich versichere Ihnen, sie ist harmlos. Da gibt es wesentlich gewagtere Konstrukte. Ebenfalls in der „Süddeutschen“, allerdings zwei Tage früher, nämlich am 13.Januar, mussten die geneigten Leser ein Wortungetüm verdauen, das in meinen Augen, mit Verlaub, nur zum Kotzen ist. Herr Peter Richter titelte da auf Seite 15 „In Europas Metropolen blüht der Traum vom Auto-Bann - aber ist die Verfußgängerzonung der Städte wirklich so progressiv, wie sie tut?“ Ich frage mich da, ist die Verwortschandelung so geistreich, wie sie gern wäre? Oder ist die Verabadsurdumführung der eigentlich wunderbaren Möglichkeiten der deutschen Sprache nicht eher eine Verarmutszeugnissung von Journalisten, die mit eben dieser Sprache nicht mehr umgehen können, sich aber nicht entblöden, im Artikel, der zu der Überschrift gehört, von Radfahrern als von „Strampelnazis“ zu reden? Und in dem die steile These vertreten wird, tagsüber sei die autofreie Straße zwar ein Segen, aber nachts sei sie tot. Ich kann nur annehmen, der Autor ist ein Landei vom Dorf, sonst wüßte er, welch ein Segen eine verkehrslose Straße ganz besonders des Nachts ist. Ach, was soll’s, aber manchen Menschen würde man schon gern eine Windel gegen verbalen Dünnpfiff verpassen.

Aber die hat natürlich mal wieder noch keiner erfunden! Auf die wirklich sinnvollen Neuerungen wartet die lang leidende Menschheit vergebens! Ich meine, was gäbe man nicht für eine Twitterwindel gegen die mentale und emotionale Inkontinenz, die aus dem Weißen Irrenhaus tropft? Und nicht nur dort selbstverständlich, die wäre auf breitester Ebene, sozusagen global einsetzbar. Auf, ihr schwäbischen Tüftler, macht euch an’s Werk!

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