Alice Dehner

Sie wissen genau, wie wichtig Kommunikation für Sie als Führungskraft ist. Aber was genau wissen Sie über Kommunikation?

Dass Kommunikation eine Schlüsselkompetenz für Führungskräfte ist, diese alte Weisheit ist jedem bekannt. Weniger bekannt ist vielen, wie Kommunikation eigentlich funktioniert. Dabei muss man keineswegs Kommunikationswissenschaften oder Psychologie studiert haben, um die eigene Kommunikation entscheidend zu verbessern. Allein nur die Kenntnis der Theorie der Ich-Zustände und der Kommunikationsregeln aus der Transaktionsanalyse (TA), wie wir sie in unseren Fortbildungen für Führungskräfte, Coaches, Trainer und andere Interessierte vermitteln, hat für unsere Teilnehmer schon einen Riesenfortschritt gebracht. Diese beiden Modelle bieten eine schlüssige, leicht nachvollziehbare Erklärung dafür, was bei Kommunikation passiert – oder auch nicht passiert.

Kommunikation, so viel ist klar, ist immer etwas zweiseitiges, es gibt einen „Sender“ und einen „Empfänger“. Jeder „Sender“ ist darauf angewiesen, dass der „Empfänger“ ihn in seinem Sinne versteht – sonst läuft etwas schief. Das kann selbst bei den besten Absichten passieren. Stellen Sie sich einen Chef vor, der sich selbständig arbeitende, mitdenkende, unternehmerische Mitarbeiter wünscht. Doch alles, was er hat, sind Mitarbeiter, die nur auf seine Anweisungen warten, die sich scheuen, Entscheidungen zu treffen und die Initiative zu ergreifen. Und jetzt stellen Sie sich folgende Ansprache dieses Chefs vor: „Ich habe Ihnen wieder und wieder gesagt, was ich von Ihnen erwarte! Sie sind doch erwachsen, verdammt noch mal, jetzt verhalten Sie sich auch entsprechend. Bis übermorgen will ich Resultate sehen, also los, gehen Sie an die Arbeit!“

Vielleicht ein bisschen überzeichnet, mag sein – aber es sollte klar werden, worauf die Sache hinausläuft. Der Chef befindet sich ganz offenbar in einem Ich-Zustand, den die TA „steuerndes Eltern-Ich“ nennt. Dieser Ich-Zustand zeichnet sich zum einen dadurch aus, dass er Anweisungen gibt und zum anderen – und das ist jetzt ganz wichtig – dass er im Gegenüber einen Ich-Zustand anspricht, der sich „angepasstes Kind“ nennt. Was denken Sie, wie sich angepasste Kinder verhalten? Frei, selbständig, mutig, initiativ? Nein, natürlich nicht! Angepasste Kinder tun brav, was man ihnen sagt.

Natürlich kann man sich als Sprecher niemals darauf verlassen, dass der Ich-Zustand, den man im Gegenüber anspricht, auch tatsächlich aktiviert wird. Aber die Chance dafür ist ziemlich hoch. Wenn sich eine Führungskraft im Coaching zum Beispiel also darüber beklagt, dass sie lauter Mitarbeiter hat, die viel zu wenig mitdenken, zu passiv sind, kann es schon einen großen Fortschritt bringen, wenn sie ihr eigenes Kommunikationsverhalten unter die Lupe nimmt.

So ähnlich sieht es mit einer anderen „Baustelle“ aus, über die man immer wieder in der Zeitung lesen kann: Mitarbeiter fühlen sich von den Führungskräften zu wenig wertgeschätzt. Sie wünschen sich mehr Anerkennung und fühlen sich manchmal nicht wirklich wahrgenommen. Die Führungskräfte hingegen fühlen sich missverstanden und ihrerseits nicht genug gewürdigt.

Wertschätzung, Fairness, Ehrlichkeit, das sind ganz wichtige Werte: Vielleicht liegt es manchmal nur an einem Mangel an Wissen, wie Kommunikation funktioniert, dass sie nicht zielführend vermittelt werden (können).

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