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Gerade erst Chef geworden?

Jeder, der es bereits hinter sich hat weiß Bescheid: Um als Chef wirklich akzeptiert zu werden, reicht eine Beförderung allein nicht aus. Und wenn man von außen ganz neu in ein Team kommt, muss man auch erst mal unter Beweis stellen, dass man die „Führungskraft“ hat, um „Führungskraft“ zu werden. Der Chefsessel, auf dem man sitzt, ist zunächst mal nur der formale. Und da man auch in Zeiten von agilem Management, von Scrum und so weiter noch Führungskräfte braucht, sollte man Fallstricke nach Möglichkeit vermeiden. Das liegt nicht nur im Interesse der Firma, und auch nicht nur im Interesse der Mitarbeiter, die sehr gern eine „gute Chefin“ oder einen „guten Chef“ haben wollen. Das liegt ganz besonders in Ihrem eigenen Interesse. Was Sie als letztes brauchen können ist schließlich, unter einem Haufen selbst produziertem Stress zu leiden.

Mit dem Stress ist es überhaupt so eine Sache, denn in der Arbeitswelt wirkt er ganz offenbar wechselseitig: Wenn Chefs aus lauter Arbeitseifer großen Leistungsdruck auf ihre Mitarbeiter ausüben, dann wirkt sich das negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten aus. Das haben Arbeitspsychologen mit ihren Untersuchungen mittlerweile zur Genüge bewiesen. Doch Untersuchungen haben auch gezeigt: Wenn die Teams im Stress sind, dann zeigen auch die Führungskräfte Zeichen emotionaler Erschöpfung.

Auch wenn Sie noch so gern zeigen wollen, was Sie als Chef alles erreichen können: Eine Falle, in die Sie als neuer Chef also nicht laufen sollten, ist, als schlechtes Beispiel voranzugehen. Eine Studie hat zum Beispiel ergeben, dass Führungskräfte, die bereits am Sonntagabend die ersten E-Mails losschicken, um die Aufgaben der kommenden Woche zu strukturieren, innerhalb kürzester Zeit Mitarbeiter haben, die ebenfalls schon am Sonntag Mails verschicken.

Auch wenn Sie als Chef bis abends um neun oder zehn im Büro bleiben, werden Sie bald Mitarbeiter haben, die, um Ihnen Gesellschaft zu leisten, ebenfalls Überstunden machen.

Das heißt: Unterschätzen Sie als neuer Chef niemals die Signalwirkung, die Sie auf Ihre Mitarbeiter haben! Sie könnten noch so oft sagen, dass Sie von niemandem Überstunden verlangen, wenn es nicht sein muss: Solange Sie selber wie festgeklebt im Büro sitzen, und es für Sie kein Privatleben zu geben scheint, wird es Mitarbeiter geben, die es Ihnen gleichtun.

Und das führt ohne Umweg zur zweiten Falle, die Sie vermeiden sollten: Die Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter besteht neben dem Arbeitsvertrag meist auch noch in einer Art „psychologischem Vertrag“, bei dem es um implizite Erwartungen und Verpflichtungen geht. Sie erwarten von Ihren Mitarbeitern zum Beispiel, dass sie ihre Aufgaben zuverlässig erledigen. Die Mitarbeiter erwarten von Ihnen unter anderem, dass sie in ihrer Leistung von Ihnen gewürdigt werden. Doch menschliche Beziehungen haben es so an sich, dass man nicht alle Menschen gleich behandelt - es entstehen dadurch unterschiedlich enge Beziehungen. Gerade in der Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter ist das natürlich oft auch abhängig von der Arbeitseinstellung des Mitarbeiters. So besteht sehr schnell die Gefahr, dass die, die als Leistungsträger erscheinen, zu den „Lieblingen“ der Führungskraft werden, und die bekommen dann mehr Feedback und auch die spannenderen Aufgaben, während die anderen eher so nebenher laufen. Das merkt im Team natürlich jeder - und ist Gift für das Arbeitsklima, klar! Fairness spielt in jedem Team eine große Rolle. Also: Auch wenn Sie selbstverständlich zu jedem einzelnen Mitarbeiter eine individuelle Beziehung aufbauen, es geht ja gar nicht anders, achten Sie trotzdem ganz besonders sorgfältig darauf, Aufgaben und Feedbacks fair zu verteilen.

Wenn Ihr Team merkt, dass Fairness und Gerechtigkeit zu Ihren Werten zählen und wenn Sie für sich und andere keinen zusätzlichen Stress erschaffen durch Ihr eigenes Arbeitsverhalten, sind schon mal zwei wichtige Bedingungen für Akzeptanz des Teams und gute Zusammenarbeit erfüllt.