Blog

Nur drei - mehr nicht!

Obwohl ich vor vielen Jahren mal Ulrichs Co-Trainerin war in einem Seminar, das wir „Das Ziel“ genannt hatten, und das, nebenbei bemerkt, wie alle Seminare, die Ulrich entwickelt hat, ein wirklich gutes Seminar war, hatte ich persönlich mit Zielen irgendwie nie viel am Hut. Mir hat immer  durchaus eingeleuchtet, was mein kluger Mann über die Wichtigkeit, sich eigene Ziele zu setzen, gesagt hat, ich habe auch nie daran gezweifelt, dass das für alle anderen echt eine Supersache ist, aber für mich selbst?  Ach nee, dachte ich, das ist wirklich nicht meins. Bin ich nicht der Typ für.  Ich nehme dankbar an, was kommt und verkrafte mit Grazie, was nicht kommt. Wozu soll ich mit Ziele setzen, wenn ich doch heute noch nicht weiß, wie ich mich in zwei oder drei oder gar fünf oder zehn Jahren fühle. Im Geschäftsleben ist das eine andere Sache, das sehe ich ein, aber für mich als mehr oder weniger Privatperson, also da bin ich dann eher Ziel-vegan, wie meine Enkeltochter das so unnachahmlich ausdrücken würde.

Aber jetzt! Never say never - wie der Engländer sagt. Ulrich erzählte mir von einer Methode, bei der man sich jeweils drei Ziele setzt für den Monat, drei für dieWoche und drei für den Tag. Und dabei geht es nicht um irgendwelche großartigen Sachen - also jedenfalls nicht zwingend, man kann sich natürlich auch vornehmen den Weltfrieden zu retten, wer sich’s zutraut! - nein, es geht darum, einfach zu überlegen, was ist mir wirklich wichtig, was will ich an jenem Tag, in jener Woche, in jenem Monat, gemacht haben, um mit mir zufrieden zu sein. Dabei geht es nicht um die Aufgaben, die man mehr oder weniger sowieso erledigen muss, sondern um all die „Kleinigkeiten“, die, wenn erledigt, einem ein so viel besseres Gefühl verschaffen und die so leicht untergehen bei all den Dringlichkeiten, die jeder Tag bereit hält. Oder die der eigenen Bequemlichkeit zum Opfer fallen. Oder die man sich nicht zugesteht, weil man doch so viel Arbeit hat. Damit man dabei nun nicht auch noch irgendeinem Leistungsdruck oder Selbstoptimierungswahn zum Opfer fällt und um zu garantieren, dass man es wirklich täglich schaffen kann, wenn nicht alles komplett zuwider läuft, beschränkt man sich auf drei Ziele, keinesfalls mehr!

Dieses simple Konzept hat mich sehr angesprochen, weshalb ich klammheimlich - ich wollte nicht gleich outen, dass ich meine Zielabstinenz aufgegeben habe - damit begann, mir solche Ziele zu überlegen. Jetzt überlege ich jeden Abend vor dem Schlafengehen, was mir am nächsten Tag wichtig ist und formuliere drei Ziele, die ich in ein Notizbuch schreibe. So ein Ziel kann schon mal lauten „Entspannt bleiben“, wenn mir ein stressiger Tag bevorsteht, und man mag es glauben oder nicht: Es hilft tatsächlich, entspannt zu bleiben, wenn man das als Ziel hingeschrieben hat. Ich lese mir die Ziele morgens und bei Bedarf auch mittags nochmal durch, das ist eine prima Erinnerung. Was bei mir seit einiger Zeit praktisch täglich als Ziel dasteht, ist „Training“. Das heißt bei mir nichts weiter, als ungefähr fünf Minuten morgens Yoga zu machen, aber noch nie habe ich das in früheren Zeiten so konsequent umgesetzt. Und es fühlt sich sehr gut an! „Den Tag genießen!“ hatte ich auch schon als Ziel in meinem Büchlein stehen. Habe ich dann auch gemacht, und jeden Gedanken daran, was ich noch alles zu tun hätte, unverkrampft beiseite gelegt. 

Außerdem ist es mir mit erstaunlich geringem Aufwand gelungen, mein kleines Arbeitszimmer zu Hause, das sich im Verlaufe der letzten zehn Jahre zu einer Art Gerümpelzimmer entwickelt hatte, wieder hübsch und ordentlich hinzukriegen - einfach indem ich mir immer wieder zum Ziel gesetzt hatte, eine Ecke des Zimmers aufzuräumen. Eine Ecke, das schafft man auch noch abends, wenn man eigentlich alle viere von sich strecken will. Sehr zufriedenstellend! Wie überhaupt, wenn man sich abends, bevor man die neuen Ziele niederschreibt, vergegenwärtigen kann, dass man alle drei Ziele des vergangenen Tages erreicht hat. Oder am Wochenende feststellt, dass die Wochenziele ebenfalls abgehakt werden können. 

Vom Saulus zum Paulus gewandelt, erkläre ich nun, dass es echt was bringt, mit Zielen zu arbeiten und empfehle es hiermit wärmstens!