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Wenn - dann… dann aber auch wirklich!

Wenn - dann… das kann ja wie eine Drohung klingen. Mancher hat vielleicht noch das elterliche Grollen im Ohr „Wenn du nicht sofort deine Hausaufgaben machst, dann setzt es aber ein Donnerwetter!“ 

Manchmal ist „wenn - dann“ aber auch ein sehnsuchtsvoller Seufzer „Wenn ich im Lotto gewinne, dann mache ich eine Weltreise!“

Mein „wenn - dann“ ist keines von beiden, sondern die beste Art von Planen, die jemandem wie mir, der zwar durchaus Pläne hat, aber eigentlich nie plant, jemals untergekommen ist. Bei allem, was die Zukunft betrifft, habe ich es ja gern schlicht. Ich erinnere hier gern noch mal an mein Erleuchtungserlebnis mit den drei Zielen, so simpel wie effizient: Drei Ziele für den Monat, drei für die Woche und drei für den nächsten Tag - und keines mehr! Ich mache das sehr konsequent, seit ich den Beitrag darüber geschrieben habe, und bin nach wie vor begeistert von dieser einfachen Methode, selbst jene Dinge anzupacken, die man so gern vor sich her schiebt.

Jetzt habe ich so etwas Ähnliches für das Planen gefunden oder besser gesagt - es hat mich gefunden, denn danach gesucht habe ich nicht. Planen war für mich bislang nur mit höchst profanen, aber nötigen Alltagstätigkeiten verknüpft: Wenn ich einen Abgabetermin für ein Manuskript habe, dann plane ich, wieviel ich in der Woche schreiben muss, damit das Buch rechtzeitig fertig ist, wenn ich morgen und übermorgen etwas zum Essen im Haus haben will, dann plane ich, was ich einkaufen muss und wenn ich nächsten Sommer in Urlaub fahren will, dann plane ich die Reise. Irgendwelche elaborierten Pläne aufzustellen ist so gar nicht mein Ding, ich halte es da eher mit einem lieben, alten Freund, der zu diesem Thema die Einstellung vertritt „Je perfekter der Plan, desto härter trifft einen der Zufall.“ Man kann es auch mit John Lennon halten und es andersherum aufzäumen: „Leben ist das, was sich abspielt, während du andere Pläne machst.“

So viel zu meiner Einstellung zu Plänen und nur, um zu zeigen, dass ich nicht jedem „Planungstool“ sofort begeistert auf den Schoß springe. Doch nun zu „wenn - dann“. Gefunden habe ich diese einfache, aber in meinen Augen sehr wirksame Methode in einem Buch, von dessen Titel man sich nicht abschrecken lassen sollte „Rethinking Positive Thinking: Inside the New Science of Motivation“. Für viele dämliche Titel können die Autoren nichts, sie müssen damit leben. Die Autorin dieses lesenswerten Buches heißt Gabriele Oettingen, und ist eine deutsche Wissenschaftlerin, die in Berlin, aber auch in Amerika an der Uni geforscht hat, in welchem Fachbereich ist mir nicht ganz klar geworden, auf jeden Fall aber Psychologie. Das Buch ist zwar englisch, doch sehr leicht zu lesen, also braucht man sich auch von der Sprache nicht abschrecken lassen.

Gabriele Oettingen beschreibt (und belegt mit endlosen Studien, die sind in der Tat etwas ermüdend zu lesen), wie man es schaffen kann, seine Wünsche in die Tat umzusetzen. Ausgegangen ist sie von dem Phänomen, dass „Positives Denken“ nicht nur nichts bringt, wie wir ja auch seit Jahren nicht müde werden zu betonen, sondern häufig genug schlechtere Ergebnisse zeitigt, als wenn man nicht die Zeit mit solchen vorgeblich „hilfreichen“ Tagträumen verdödelt. 

Gabriele Oettingens Trick ist folgender:

Man beginnt in der Tat mit einem Wunsch. Doch statt damit dann auch aufzuhören, also nichts weiter zu tun, als sich in „Wunschträumen“ zu ergehen, befasst man sich auch mit den Hindernissen, die der Erfüllung dieses Wunsches entgegenstehen. Wenn man nun feststellt, dass es unüberwindliche äußere Hindernisse gibt, dann sollte der intelligente Mensch in der Lage sein, sich zu sagen. „Okay, wir stellen das jetzt mal hintan, bis sich die Verhältnisse ändern!“ - Also sprich, Wünsche, die sich partout (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) nicht erfüllen lassen, in die sollte man auch keine Energie investieren. Doch wenn man einen Wunsch hat, den man für machbar und realisierbar hält, dann sollte man sich auf die Suche machen nach den inneren Hindernissen, die einen bislang davon abgehalten haben, den Wunsch wahr werden zu lassen. 

Nehmen wir als einfaches Beispiel: Ich habe den Wunsch, fünf, zehn oder zwanzig Kilo abzunehmen. Diesen Wunsch habe ich seit zehn Jahren, aber alle noch so betörend schönen inneren Bilder von mir als schlankem Rehlein haben höchstens dazu geführt, dass ich vor lauter Frust beim Blick in den Spiegel noch eine Praline als Trost brauchte. Nun versuche ich es auf dem neuen Weg: Ich stelle mir vor, dass ich langsam aber stetig so viel abnehme, wie ich es mir wünsche und mich dadurch viel besser fühle, leichter, gesünder und attraktiver. Dann beschäftige ich mich mit den inneren Hindernissen. Warum kann ich keine Diät dauerhaft einhalten? Weil es so viele Verlockungen gibt. Weil ich insgeheim denke „Ich schaffe es sowieso nicht“. Weil ich denke „Ich habe jetzt aber so entsetzlich Lust auf ein Stück Sahnetorte“ und wenn ich schwach geworden bin, glaube „Jetzt ist eh alles egal“ und mal wieder einen guten Vorsatz über Bord werfe. 

Nun bin ich mir über meine inneren Hindernisse im Klaren. Und jetzt mache ich mir einen simplen „Wenn - dann - Plan“. Also „Wenn ich etwas Verlockendes zu essen sehe, dann erinnere ich mich sofort daran, was mir eigentlich wichtig ist!“ Oder „Wenn ich denke, dass ich es sowieso nicht schaffe, dann male ich mir aus, wie gut ich mich morgen fühlen werde, wenn ich mich daran erinnere, dass ich es gestern geschafft habe“. Oder „Wenn ich mal schwach geworden bin, dann weiß ich, dass das einmalig war, und mache wie gehabt mit meiner Diät weiter.“

Das Prinzip ist klar geworden, oder?

Das klingt so einfach, dass es fast naiv wirkt, doch es hilft. Ich denke nicht, dass es in hundert Prozent aller Fälle hilft, aber das kann man auch nicht erwarten - es gibt einfach nichts, was immer und überall wirkt. Aber die Methode, nach den inneren Hindernissen zu schauen, die sich selbst gegenüber zuzugeben (man braucht es ja keinem anderen zu erzählen) und dann einen einfachen Weg zu suchen, mit diesen Hindernissen umzugehen, gibt nicht nur auf der bewussten ebene eine echte Hilfestellung, sondern verleitet offenbar auch unser Unbewusstes dazu, ebenfalls Strategien zu entwickeln, wie wir diese Hindernisse überwinden können. Und dann ist es plötzlich gar nicht mehr so schwer.

Ich schildere gern noch eine eigene Erfahrung mit „wenn - dann“. Ich hatte den Wunsch, eine ganz bestimmte Konstanzer Künstlerin kennenzulernen, habe aber nichts in die Richtung unternommen, obwohl ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Meine inneren Hindernisse, weshalb ich noch nicht versucht hatte, mit dieser Künstlerin in Kontakt zu kommen, waren Gedanken wie „Was soll die Frau mit dir? Weshalb sollte sie sich für dich interessieren? Ich kann doch nicht einfach einen wildfremden Menschen ‚belästigen‘.“ Selbstverständlich wusste ich „im Prinzip“, dass solche Gedanken blöd sind, aber ich hatte sie halt trotzdem - so was kennt wahrscheinlich jeder. Vor etwa zwei Wochen veranstaltete die Künstlerin im hiesigen Kulturzentrum eine kleine Lesung, begleitend zu ihren Bildern. Ich beschloss, zu dieser Lesung zu gehen und hatte den „Wenn - dann - Plan“ gefasst „Wenn sie fertig ist mit Lesen, stehe ich sofort auf, gehe zu ihr hin und spreche sie an.“ Es hat geklappt! Wir hatten ein sehr nettes Gespräch und werden miteinander in Kontakt bleiben.

Das Schöne ist, man kann „wenn - dann“ immer und für alles mögliche einsetzen, es geht schnell und kostet kein Geld und wenn man merkt, dass man innere Hindernisse hat, denen man nicht so leicht beikommt, dann kann man schließlich immer noch ein IntrovisionCoaching machen.