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Wann, wenn nicht jetzt? Ein Willkommensgruß

Sehr geehrtes Neues Jahr!

Klingt ein bisschen förmlich, ich weiß, aber da wir uns noch nicht so gut kennen, verzichte ich auf die vertrautere Anrede „Liebes Neues Jahr“. Es ist ja auch noch gar nicht raus, ob wir uns überhaupt lieb werden, wir beide, auch wenn wir uns im Laufe der Zeit zwangsläufig näher kommen. Außerdem habe ich, ich muss das leider gleich zu Beginn meines Briefes ganz offen sagen, große Schwierigkeiten mit dieser unerfreulichen Charaktereigenschaft aller Jahre, die ich bisher kennengelernt habe und die Sie vermutlich ebenfalls besitzen: Diese Flüchtigkeit, dieses nicht ein einziges Mal innehalten können. Sie verschwinden so schnell! Bitte, was soll das? Kaum hat man sich an Sie gewöhnt, nehmen Sie Ihren Hut und empfehlen sich auf französisch, wie man so sagt, Adieu und auf Nimmerwiedersehen! Finden Sie das in Ordnung? Also ich nicht! Der Mensch braucht doch viel mehr Zeit, um mit all dem, was das Jahr so mit sich bringt, klar zu kommen. Also, allein um das Ergebnis der Wahl in Amerika zu verdauen, hätte ich mindestens sieben bis acht Monate mehr gebraucht. Und das ist ja noch nicht alles. Ich erinnere nur, zwar ungern, aber es muss ja sein, an die Wahlergebnisse die eine gewisse AfD,  - lass mal überlegen, was hieß das noch? Die Alternative für Dumme?  - bei diversen Landtagswahlen in Deutschland eingefahren hat. Um damit fertig zu werden, hätte ich gut und gern noch mal ein paar Monate zur Verfügung haben müssen. Und um das Thema Wahlen abzuschließen, sehr geehrtes Neues Jahr, freue ich mich, ehrlich gestanden, eher nicht auf das, was Sie im Gepäck haben. Ich fürchte nämlich, dass Sie vorhaben, sich zu einem Teil des sogenannten „postfaktischen Zeitalters“ zu machen. Wenn die Fakten auch schon schlimm genug sind - postfaktisch ist noch schlimmer! Tatsachen zu leugnen, oder schlicht und ergreifend einfach was erfinden, um die eigenen „Argumente“ glaubhaft zu machen und damit Wahlstimmen einzufangen, hat jedenfalls noch nie etwas besser gemacht.

Aber ich will nicht nur an Ihnen herumkritteln. Schließlich hat jeder seine Chance verdient, also auch Sie, sehr geehrtes Neues Jahr. Ich werde Ihnen Gelegenheit geben, zu zeigen was Sie können. Jeder Tag ein neues weißes Blatt! Versprochen! Besonders in fußballerischer Hinsicht zähle ich auf Sie, enttäuschen Sie mich nicht! Dass Bayern nicht mehr automatisch an der Tabellenspitze der Bundesliga steht, ist doch schon mal ein guter Anfang. 

Ich will mich meinerseits auch nicht lumpen lassen und biete Ihnen im Gegenzug ein paar eins A gute Vorsätze an. Zum Beispiel, was die Ernährung betrifft. Ich werde mich zum Beispiel von Äpfeln fern halten. Wenn man mal darüber nachdenkt, was ein einziger unüberlegter Biss in einen Apfel für das Wohl und Wehe (Im Schweiße deines Angesichts - muss ich ausführlicher werden?) der ganzen Menschheit bedeutet hat, kann man nur sagen: Hände weg! Das Zeug ist teuflisch ungesund!

Verzichten werde ich außerdem auf Alkohol, außer Whiskey, Wein und belgisches Bier - die subsumiere ich unter Grundnahrungsmittel - ein bisschen Getreide und Obst in der Ernährung soll dem Organismus ja auch sehr förderlich sein.

Des weiteren will ich unbedingt mehr Selbstdisziplin in mein Leben bringen und nur noch Trödeln, wenn es gar nicht anders geht, also morgens im Bad, und lege ein solches Vorhaben auch allen anderen Menschen sehr ans Herz! Selbstdisziplin ist der Königsweg zu mehr Intensität im Leben - man genießt das Trödeln unendlich viel mehr, wenn man weiß, dass man es nicht darf. Ich habe damit Erfahrung, im Urlaub und an freien Tagen finde ich Rumtrödeln erstaunlich uninteressant.

Und sodann und abschließend nehme ich mir ganz fest vor, meine Augen offen zu halten und genau zu prüfen, was mir im Laufe der Zeit so alles angeboten wird, denn auch im Neuen Jahr wird nicht alles Sonne sein, was scheint. Aber Lichtblicke gibt es doch hoffentlich trotzdem reichlich, für die Welt, für Sie, für mich und selbstverständlich für den geneigten Leser. Es ist bei Tag ja auch nicht jede Katze schwarz, die in der Nacht grau ist. Also, sehr geehrtes Neues Jahr, geben Sie Ihr Bestes - wir zählen auf Sie und wollten Sie ja auch gar nicht missen!