Renate Dehner

Achtung, es ist Halloween!

Neues aus der beliebten Sparte „Unglaubliches und unglaublich Dämliches, das man so nicht für möglich gehalten hätte“: Eine katholische Schule in God’s own Country, genauer gesagt in Tennessee, U. S., hat J. K. Rowlings Harry-Potter-Romane aus der Schulbibliothek geschmissen. Allerdings tat die Schule das nicht aus literarischen Gründen, was ja auch schwer nachvollziehbar gewesen wäre. Diese Bücher sind schließlich auch für Erwachsenen das reinste Lese-Vergnügen.

Die Begründung, die der Schulgeistliche in einer E-Mail lieferte, beruht vielmehr auf streng wissenschaftlichem Hintergrund. Das ist schon allein deshalb verbürgt, weil die Schule sich von Exorzisten beraten ließ, die, man weiß das, in Amerika ein besonders strenges Studium absolvieren und ihre Qualifikation dauernd unter Beweis stellen müssen. Ist schließlich kein Hexenwerk, hahaha, nicht wahr, das Böse aufzuspüren, auszutreiben und überhaupt Hexen zu enttarnen. Am eindrucksvollsten gelungen war ihnen das ja am Ende des siebzehnten Jahrhunderts in Salem in Neuengland. Es wurden zwanzig Hexen hingerichtet, 55 Menschen gefoltert und 150 inhaftiert, denen es vermutlich auch nicht so richtig gut ging im Kerker. Immerhin wurden bereits im Jahre 2001 (Sie haben richtig gelesen, im Jahre des Herrn 2001) die letzten fünf der im Jahr 1692 beschuldigten Frauen für unschuldig erklärt.

Ein herber Rückschlag für die Exorzisten! Wo sie sich so viel Mühe gegeben hatten, Satan und seinen Machenschaften das Handwerk zu legen. Aber von Widrigkeiten, die ihnen von gottloser Seite bereitet werden, lassen sich aufrechte Exorzisten nicht in ihrer Wachsamkeit dem Gottseibeiuns gegenüber beeinträchtigen. Das Böse lauert schließlich überall (ganz besonders in einem pompösen Einfamilienhaus in Washington, aber das ist ein anderes Kapitel). Jedenfalls wurden sie in ihrer unermüdlichen Suche nach den Werkzeugen des Teufels fündig und so heißt es in einer Mail des Schulgeistlichen: „Die in den (Harry Potter-) Büchern gebräuchlichen Flüche und Zaubersprüche sind tatsächlich Flüche und Zaubersprüche; werden sie von einem Menschen gelesen, besteht die Gefahr, dass sie böse Geister in der Umgebung desjenigen heraufbeschwören, der den Text liest.“

Mir standen augenblicklich die Haare zu Berge! Ich hatte ja keine Ahnung, in welcher Gefahr ich geschwebt hatte, als ich die Potter-Bücher verschlang. Denn ehrlich gestanden war mir persönlich der Glaube daran, dass tatsächlich (!!!) Zaubersprüche existieren könnten, schon vor langer Zeit abhanden gekommen. Also das muss gewesen sein, lassen Sie mich nachdenken, ist ja schon eine Weile her, also das war wohl als ich so acht oder neun war. Oder war es doch früher?

Nachdem ich lange über diese Nachricht gegrübelt hatte, schwante mir ein böser Verdacht! Waren all die Geistesverirrten, die tatsächlich den jetzigen ebenso geistesverwirrten Bewohner des pompösen Einfamilienhauses in Washington zu ihrem Präsidenten gewählt haben, womöglich Harry-Potter-Leser? Das würde doch manches erklären. Ich meine, das massenhafte Auftauchen böser Geister und so. Und es erklärte natürlich auch, weshalb ein kleiner Junge auf der ganzen Linie scheiterte. Ich beobachtetet im Supermarkt, wie er verzweifelt versuchte, mittels eines bunt leuchtenden Plastikzauberstabes und eines Zauberspruches (ich glaube, es war „Accio Twix“ oder so ähnlich) eine Süßigkeit aus einem der oberen Regale, an die er nicht rankam, in seine Reichweite zu befördern. Was er tatsächlich heraufbeschwor war natürlich das Böse! Es kam in Gestalt seiner Mutter, die sich weigerte, ihm ihrerseits Zugang zu der Süßigkeit zu verschaffen. Stattdessen packte sie ihn energisch an der Hand und zog ihn zur Kasse. So hat Satan mal wieder auf diabolische Weise verhindert, dass ein unschuldiges Gotteskind an das Gute im Menschen glaubt.

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