Alice Dehner

Halten Sie als Führungskraft Motivation des Teams für einen wichtigen Teil Ihrer Arbeit?

Ja, ganz sicher, oder? Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein wesentlicher Teil des Erfolges einer Firma – wer motiviert ist, dem macht die Arbeit mehr Freude und wer mit mehr Freude arbeitet, bringt bessere Ergebnisse. Es ist anzunehmen, dass laut einer Umfrage aus diesem Grund 91% (einundneunzig Prozent!) der Führungskräfte glauben, dass sie ihre Mitarbeiter gut motivieren. Das Gute daran ist, dass Führungskräfte also genau wissen, dass Motivation ein wesentlicher Bestandteil ihrer Aufgaben ist. Nun die schlechte Nachricht: Die Umfrage erbrachte noch ein weiteres Ergebnis. Nur 34% (!!!) der Mitarbeiter empfanden auch, dass ihre Chefs sie gut motivieren. Diese Diskrepanz lässt darauf schließen, dass zwischen Wollen und Können eine Lücke klafft. Eine Lücke, die sich relativ leicht beheben ließe, wenn Führungskräfte etwas mehr darüber wüssten, wie Kommunikation funktioniert.

Was hat der Bezugsrahmen mit Motivation zu tun? Was ist das überhaupt, ein Bezugsrahmen?

Ganz vereinfacht gesagt, ist der Bezugsrahmen die Brille, durch die der Mensch sich selbst, die Anderen und die Welt sieht. Dabei hat jeder Mensch seine ihm ganz eigene Brille und deren Brillengläser sind zum einen gefärbt durch seine Werte und Glaubenssätze und zum anderen durch die Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat. Der innere Bezugsrahmen steuert zu einem großen Teil unser Verhalten. Wenn mir etwas wichtig ist, dann mache ich es, während Dinge, die mir nichts bedeuten, vernachlässigt werden. Wenn Pflichterfüllung zu meinen obersten Werten zählt, erfülle ich auch ungeliebte Aufgaben zuverlässig, wohingegen ich den Keller jahrelang im Chaos belasse, wenn mir egal ist, wie es da unten aussieht.

Der innere Bezugsrahmen wirkt sich jedoch noch umfassender aus. Er beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern sogar schon die Wahrnehmung eines Menschen. Wer sich nicht für Autos interessiert, der sieht bei einem vorbeifahrenden Wagen gerade mal die Farbe, erkennt jedoch als Kunstliebhaber auf einen Blick die Handschrift eines Künstlers. Ein Anderer macht sich nichts aus Bildender Kunst, weshalb ihm ein Bild an der Wand überhaupt nicht auffällt, wohingegen er als Opernliebhaber vielleicht sofort hört, welcher Bariton da gerade welche Arie singt.

Um möglichst viel Verständnis für andere Menschen und ihre Verhaltensweisen zu entwickeln, ist es hilfreich, sich diese Wahrnehmungsprägungen immer wieder bewusst zu machen. Die Wahrnehmungsprägung verstellt einem nämlich manchmal den Blick, wenn Mitarbeiter so ganz anders handeln, als man es selbst tun würde. Und das Wissen darüber, wie stark unsere Werte unsere Reaktionsweisen beeinflussen ist wichtig, wenn es darum geht, ganz bestimmte Reaktionen erzielen zu wollen.

Wenn also das, was die Führungskraft für eine gute Motivierung hält, nicht zum Bezugsrahmen der Mitarbeiter passt, erzielt diese Kommunikation nicht den gewünschten Erfolg. Um in dieser Hinsicht erfolgreich zu sein, müsste ein Chef etwas über die jeweiligen Bezugsrahmen seiner Mitarbeiter wissen, aber natürlich auch über seinen eigenen.

Allerdings kann man niemanden fragen: „Sagen Sie mal, was ist eigentlich Ihr Bezugsrahmen?“

Man kann Bezugsrahmen nur erschließen, wenn man die Menschen, auch sich selbst, beobachtet und dabei erkennt, nach welchen Werten und Glaubenssätzen sie handeln. Und außerdem den Leuten genau zuhört und geduldig ihre „Worthülsen“ knackt. Worthülsen sind all jene Begriffe, in die jeder einen anderen Inhalt packt. Wer also genau wissen will, worüber der andere spricht, der muss erfragen, was der andere meint.

Ganz konkret bedeutet das, dass man sehr viele Fragen stellen muss, wenn man etwas über den Bezugsrahmen eines anderen Menschen erfahren will. Aber wie heißt es so schön: Wer fragt, der führt. Es gibt noch einen Zusatz-Nutzen: Interesse und genaues Zuhören der Führungskraft ist eine Form der Zuwendung und Zuwendung wird von den meisten Mitarbeitern als Wertschätzung erlebt und Wertschätzung wiederum ist ein außerordentlich starker Motivator.

Mehr über Mitarbeitermotivation und -Förderung erfahren und trainieren Führungskräfte bei der dehner academy in den Führungskräftetrainings und der Weiterbildungsreihe „ACT – CoachingTools für Führungskräfte

-