Ulrich Dehner

Durch Konstruktive Fragen lässt sich im Coaching mehr erreichen!

Im Wirtschaftsteil der „Zeit“ vom 7. 11. 2019 erschien ein langes Interview mit der diesjährigen Nobelpreisträgerin für Wirtschaft, Esther Duflo, die ihre Forschung der Armutsbekämpfung widmet. Ganz abgesehen davon, dass es insgesamt ein lesenswerter Beitrag ist, fiel mir eine Sache natürlich sofort ins Auge, nämlich dass sie sagte: „Ich versuche, das oft unüberschaubare Problem in kleinere, besser identifizierbare Probleme aufzuteilen, für die sich Lösungen finden lassen. Ich frage zum Beispiel nicht: Warum sind Leute arm? Warum lernen ihre Kinder nicht genug in der Schule?….“
Genau das ist seit über dreißig Jahren einer unserer Ansätze im Coaching, genau das versuchen wir in der Coachingausbildung den Teilnehmern zu vermitteln: Warum-Fragen führen oft ins Leere, weil es entweder gar keine Antwort darauf gibt, oder eine, die nicht weiterhilft, weil sie keinen Lösungsweg aufzeigt.
Was für globale Probleme und das Business-Coaching gilt, gilt selbstverständlich genauso für den ganz privaten Bereich. Schon in Renates und meinem 2006 erstmalig erschienenen Buch „Steh dir nicht im Weg“, das der Campus Verlag vor einigen Monaten in überarbeiteter Form neu herausgebracht hat, haben wir ein Kapitel überschrieben mit „Stellen Sie konstruktive Fragen“. Als destruktive Fragen haben wir da die allseits beliebten „Warum-Fragen“ aufgeführt, zum Beispiel:

  • Warum passiert mir das immer wieder?
  • Warum gerate ich immer an die falschen Menschen?
  • Warum gelingt mir nie etwas?
  • Warum mache ich immer alles falsch?
  • Warum habe ich immer so viel Pech?

Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der sich eine solche oder ähnliche Frage nicht schon gestellt hätte. Und – hat es geholfen?

Wir haben als Beispiel auch einige konstruktive Fragen aufgeführt, unter anderen:

  • Was kann ich daraus lernen?
  • Wie hätte ich die Situation anders angehen können?
  • Was kann ich tun, um die Situation zu verändern?
  • Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?
  • Unter welchem Blickwinkel könnte man die Situation noch sehen?
  • Was kann ich verändern?
  • Was kann ich konkret tun?
  • Was könnte ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung sein?

Mit solchen Fragen kommt man weg vom Grübeln, hin zum Tun, was sehr viel besser geeignet ist, das Gefühl der Hilflosigkeit, des Ausgeliefert-Seins zu beenden. Wenn ich mich hilflos fühle, bin ich machtlos, denn ich kann nichts ändern, das führt letztlich zu einer eher depressiven inneren Haltung, die in einer Art Abwärts-Spirale das Gefühl der Hilflosigkeit noch verstärkt. Etwas in die eigenen Hände zu nehmen, fördert die Gefühle von Selbstermächtigung, die wichtig sind für ein stabiles Selbstvertrauen, fürs eigene Wohlbefinden und für die Handlungsfähigkeit.

Um noch einmal auf Madame Duflo zurückzukommen: Ihr mangelt es zum Glück nicht an Selbstvertrauen! Noch ein Zitat aus dem genannten Interview:

Frage: „…Trotzdem kritisiert der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz Ihre Arbeit, weil sie die Makrookönomie außen vor lasse…“

Duflo: „Wenn Stiglitz unsere Arbeit uninteressant findet, kann er sich ja um andere Dinge kümmern.“

Eleganter kann man „Er kann mir den Buckel runterrutschen“ nicht zum Ausdruck bringen, oder? Diese Nonchalance hat mich ebenfalls sehr für Madame Duflo eingenommen! Zur eigenen Arbeit stehen, wenn man sie für richtig erkannt hat, und sich auch von Koryphäen nicht in Rechtfertigungsdruck bringen lassen! Auch das ist übrigens ein Zugewinn, denn viele Teilnehmer der CoachingAusbildung an sich festgestellt haben: Mehr Souveränität!

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