Frauenförderung ist eine Notwendigkeit

Wenn man sein Geld als Coach verdient, kommt man nicht umhin zu bemerken, dass in vielen Büros die Politik und die internen Querelen einen erheblichen Teil der vorhandenen Ressourcen binden. „Arbeiten Sie in einer Firma oder im Bundestag?“ Die Frage könnte man gelegentlich stellen, wenn man erlebt, mit welchen Problemen Manager konfrontiert sind.

Statt sich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren zu können, verschlingen psychologische Spiele Zeit, Geld und Nerven. Man muss mehr Hirnschmalz darauf verwenden, die nächste politische Intrige eines Kollegen abzuschmettern als darauf, wie das nächste Projekt zum Erfolg wird… Statt zu planen, wie man die nächste Kampagne anpackt, plant man, wie man wen vom Vorstand womit auf seine Seite ziehen könnte und welcher Kollege einem dazwischenfunken könnte, weshalb man dessen Abteilung vorsorgehalber schlecht machen sollte. Machen wir uns nichts vor: Alle leiden darunter!

Eine Kulturveränderung, von vielen, wenn nicht von allen gewünscht, scheint trotzdem nicht so leicht zu sein. Was steckt eigentlich hinter dem verdeckten oder offenen Gerangel? Neben den offenbar schwer ausrottbaren Machtkämpfen, ist es das Silo-Denken, also die Neigung, zuvörderst die Belange der eigenen Abteilung zu verfolgen. Könnte auch das ein vorzugsweise männliches Problem sein?

Wie auch immer: Eine Kulturveränderung geschieht nicht von heute auf morgen, und man kann sie auch nicht „von oben“ verordnen. Natürlich braucht es die Firmenleitung, die diesen Prozess vielleicht initiiert, ihm auf jeden Fall Rückhalt gibt – und am allerwichtigsten, ihn auch vorlebt!

Doch damit wirklich etwas Wesentliches passiert, müssen auf allen Hierarchie-Ebenen Denkweisen und Glaubenssätze umgestoßen werden: „Auf die von Abteilung XYZ war noch nie Verlass / Denen geht es doch nur darum, sich die fettesten Brocken rauszufischen / ….“.

Einen Kulturwandel in Gang zu bringen, erfordert die Bereitschaft aller Mitarbeiter, sich darauf einzulassen, sich neu kennenzulernen, gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie es gelingen kann, zukünftig an einem Strang zu ziehen, alte Vorurteile über Bord zu werfen, sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu stärken, sodass für alle der Gestaltungsspielraum wächst.

In einem solchen Prozess kann Frauen auf allen Führungsebenen eine wichtige Rolle zukommen. Denn Frauen führen anders! Männer, so heißt es, denken und kommunizieren eher vertikal, das heißt, sie orientieren sich hierarchisch nach oben, überlegen, mit wem sie kommunizieren müssen, um in der firmeninternen „Hackordnung“ einen guten Platz einzunehmen, sie haben eher die Leiter vor Augen, die es zu erklimmen gilt. Frauen hingegen orientieren sich eher an der Fläche, sie kommunizieren in die Breite, sie wollen alle mitnehmen und haben größeres Interesse an einem harmonischen Miteinander. Das Problem im Moment: Da Frauen lange Zeit in den Firmen viel zu wenig oder gar nicht gefördert wurden, fehlen sie im Management – ganz besonders in dem für das Funktionieren einer Firma so wichtigen Mittelbau.

Gerade um das Silo-Denken aufzuweichen, ist eine Qualität, die Frauen besonders auszeichnet, wichtig: Frauen gehen anders mit Konflikten um! Wenn es Konflikte gibt, so denken Männer sehr viel eher in Kategorien von Status und Einflussgebiet. Sie fürchten, jemand kratzt an ihrer Position oder beschneidet ihren Einflussbereich, sie fühlen sich angegriffen und schon geht der Konkurrenzkampf los.

Während Frauen versuchen, einen Konflikt durch Gespräche zu klären, und auf die Leute zugehen, wollen Männer sich durchsetzen. „Kann die sich überhaupt durchsetzen?“ ist deshalb eine häufige Frage, wenn es darum geht einen Leitungsposten mit einer Frau zu besetzen. Dass Frauen Probleme effizient lösen, scheint gar nicht so zu interessieren. Höchste Zeit also, das zu ändern! Denn mit Frauen im Management, auf jeder Stufe, kommen neue Ideen in die Büros, es werden andere Perspektiven berücksichtigt, es kann eine neue gemeinsame Kultur geschaffen werden, in der das Silo-Denken keine Rolle mehr spielt und Macht-Gerangel immer unwichtiger wird. Frauen sollen nicht gefördert werden, damit man sich mit einer Quote schmücken und auf die Schulter klopfen kann, sondern um Führung besser zu machen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist Frauenförderung ein wesentlicher Beitrag, um Unternehmen zukunftsfähig zu machen!

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